Was passiert mit mir, wenn ich pflegebedürftig werde?

4. Dezember 2014 | By | Reply More

Auf diesem Blog geht es immer wieder um Krankenversicherungen, Zusatzversicherung und einigen anderen Schadensabdeckungen. Es gibt jedoch bei all den Eventualitäten, denen wir damit versuchen Herr zu werden eine Faktum, dem wir nichts entgegensetzen können: dem Altern. Man kann sich mit Olivenöl einreiben, Falten aufspritzen lassen und hippe, junge Mode tragen. Es bleibt jedoch unausweichlich, dass wir alle altern. Ob wir nun wollen oder nicht.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen um in diesem Beitrag einen Punkt anzusprechen, der bei all den Versicherungen die wir abschließen untergeht: was passiert mit mir, wenn ich pflegebedürftig werde? Entgegen der medialen Meinung, meint der Begriff Pflegebedürftigkeit auch die Pflege von älteren Menschen, die alterbedingt nicht mehr stehen und damit kochen können. Es meint auch die Pflege von Personen, die alterbedingt vergesslich, inkontinent oder seh- bzw. hörbeeinträchtigt werden. Es muss sich also keineswegs um eine Demenz, eine Krankheit oder andere Form einer Beeinträchtigung handeln, die häufig im Mittelpunkt stehen, um pflegebedürftig zu werden.

Wir werden alle altern.

Wir werden alle altern.

Gerade erst vor kurzem habe ich mich mit einer Krankenschwester in einer Klinik unterhalten. In der Klinik werden neben Krankenhauspatienten auch solche Patienten aufgenommen, die – ich möchte es vorsichtig ausdrücken – an Demenz „leiden“, an ihrem Alter zugrunde gehen … Die Gründe hierfür sind mannigfaltig und jeder dieser Menschen bringt eine Lebensgeschichte mit, die jedoch nur in seltenen Fälle Beachtung findet. All diesen Menschen ist gemein, dass sich ihre Familien in den meisten Fällen nicht um sich kümmern. Sie also nicht pflegen.

Und das führt mich wieder zurück zum besagten Gespräch. Jemanden zu pflegen heißt nicht nur, sich um denjenigen zu kümmern, sondern je nach Pflegeeinstufung mehrmals wöchentlich bis täglich sich in allen Belangen um diese Person zu kümmern. Das zieht weitreichende Konsequenzen nach sich: Einschränkung der persönlichen Freiheit, Einschränkung in der Ausübung von beruflichen Tätigkeiten, Finanzielle Mehrbelastung usw.

Das alles sind nachvollziehbare Gründe, warum man ein geliebtes Familienmitglied nicht selbst pflegen möchte. Denn zu den eben genannten Einschränkungen kommt auch die psychische Belastung für die Pflegenden dazu. Es ist meist nicht damit getan, demjenigen eine Suppe zu kochen und die Wäsche zu wechseln, sondern das Leiden der Liebsten mitzuerleben, das Unbehagen der Personen zu spüren, wenn sie nicht mehr allein auf Toilette gehen können oder im Falle einer Demenz nicht mehr mit einer Gabel umzugehen wissen.

Es ist ein Leichtes zu sagen: „ich würde meine Eltern niemals in ein Pflegeheim geben.“. Wenn es dann jedoch soweit ist, gebührt all denen großer Respekt, die sich wirklich liebevoll dieser großen Aufgabe stellen. Aber man sollte auch denen Respekt zollen, die sich selbst eingestehen, dass sie es nicht schaffen ein Familienmitglied zu pflegen. Eine Pflegetätigkeit kann mitunter auch Jahre andauern, was ein hohes Maß an psychischer, wie physischer Stabilität voraussetzt.

Nun ist bald Weihnachten und die gerade geschriebenen Zeilen stimmen nicht gerade fröhlich und besinnlich. Und doch sehe ich darin eine gewisse Besinnlichkeit. Geht es doch zu Weihnachten um unsere Familien. Die Menschen, die uns am Liebsten sind. Vielleicht gibt es anlässlich dieser Feierlichkeiten auch einen Moment der Besinnung, einen kurzen Augenblick, in dem man sich einmal klar machen kann, was für viele eine Selbstverständlichkeit ist: Gesundheit.

Eine Pflege ist kein Kinderspiel. Auch nicht finanziell.

Auf dem Krankenzusatzversicherung-Ratgeber gibt es, sollte es an der Gesundheit dann doch mal bröckeln, hilfreiche Tipps und Wege zur Stabilisierung. Sei es durch Krankenzusatzversicherung für bessere ärztliche Behandlungen oder Hilfeleistungen bei Unfällen in der Freizeit durch Unfallversicherungen. In puncto Pflege greifen dann viele dieser Zusatzversicherungen jedoch nicht mehr. Dann ist man auf den Socken unterm Kopfkissen angewiesen, der unter Umständen gerade mal für eine kurze Zeit reicht.

Für solche Fälle gibt es Pflegeversicherungen, die man abschließen kann und vielleicht auch sollte. Warum? Ganz einfach: Die Pflege – und das wurde auch in dem Gespräch deutlich – wird für Menschen erst dann zu einem Thema, wenn sie akut davon betroffen sind. Dann jedoch wird es keine Versicherung geben, die für die anfallenden Kosten einspringt. Die Spareinlagen reichen dann zumeist auch nicht aus um einen Platz im Pflegeheim zu bezahlen. Die Pflege und damit die private Altersvorsorge ist ein Thema, was so früh wie möglich ins Auge gefasst werden sollte. Nur so kann man davon ausgehen, dass bei einem späteren Pflegefall nicht die eigenen Kinder für die horenden Kosten der Pflege aufkommen müssen. Sei es bei der Pflege daheim oder in einer Einrichtung.

Ich habe hier einmal ein paar Recherchen angestellt und folgende Testsieger bei der Stiftung Warentest für eine Pflegeversicherung ausfündig gemacht. Stiftung Warentest rät 2013 dazu, eine Pflegetagegeldversicherung ohne staatliche Zulage abzuschließen. Die 23 getesteten Angebote erhielten im Test der Mai-Ausgabe 2013 allerdings sehr unterschiedliche Testnoten. Zum Testsieger wurde der Tarif „PA“ der HanseMerkur erklärt. Für einen 45-jährigen Modellkunden erhielt das Angebot das Qualitätsurteil „Sehr gut (1,3)“, für einen 55-jährigen Modellkunden gab es die Note „Sehr gut (1,5)“. Den zweiten Platz im Pflegeversicherung Test 2013 erhielt der Tarif „PZV“ von Deutsche Familienversicherung (DFV). Das Urteil von Stiftung Warentest für diesen Tarif lautete für einen 45-jährigen Modellkunden „Sehr gut (1,5)“ und für einen 55-jährigen Modellkunden immerhin noch „Gut (1,8)“.

Beste Pflegetagegeldversicherung für 45-jährigen Modellkunden:

VersichererProduktUrteil
HanseMerkurPASehr gut (1,3)
DFVPZVSehr gut (1,5)
MecklenburgischeProME PflegeplusGut (1,7)
LVMPZT KomfortGut (1,8)
Bayerische Beamten-KKPflegePremiumPlusGut (1,9)

Beste Pflegetagegeldversicherung für 55-jährigen Modellkunden:

VersichererProduktUrteil
HanseMerkurPASehr gut (1,5)
DFVPZVGut (1,8)
LVMPZTGut (1,9)
Bayerische Beamten-KKPflegePremiumPlusGut (2,0)
Huk-CoburgPT PremiumGut (2,0)

Rechung am Beispiel einer kombinierten Lösung für die Pflegezusatzversicherung

Ich möchte an einem Beispiel kurz zeigen, warum es so wichtig ist, sich so schnell wie möglich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Um der eigenen Kinder wegen. Dafür vergleiche ich zwei Rechnungsbeispiele bei der DFV-KombiPflege der Deutschen Familienversicherung. Beispiel A zeigt dabei eine 1990 geborene, also zum aktuellen Zeitpunkt 24-jährige Person. Bei einem monatlichen Pflege-Vorsorge-Aufwand von 20 Euro fallen bei einem Pflegefall der Stufe III (Härtefall) 2585 Euro an (vgl. Beispielgrafik 1).

Beispielgrafik 1 - Person A

Beispielgrafik 1 – Person A

Im Vergleich dazu erhält bei Beispiel B eine 44-jährige Person bei dem gleichen Pflege-Vorsorge-Aufwand von 20 Euro allerhöchstens noch 1090 Euro bei einem Härtefall. (vgl. Beispielgrafik 2) Das sind 1.495 Euro, also 57,8 Prozent weniger. Könnte man mit 24 Jahren bereits monatlich 25 Euro für die Pflegevorsorge zur Seite legen, fällt der Unterschied noch gravierender aus: Im Vergleich erhält Person A 2.005 Euro mehr als Person B.

Beispielgrafik 2 - Person B

Beispielgrafik 2 – Person B

Einzig dann, wenn Person B monatlich 35 Euro und Person A lediglich 15 Euro, also weniger als die Hälfte, bezahlt, fällt am Ende ein ähnlicher Betrag aus. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass die eigenen Kinder später für den Pflegefall finanziell aufkommen müssen.

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Category: Ratgeber

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